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  Home > Praxis > Beispiele > Freies Upgrade für die Schulen Südtirols  

Freies Upgrade für die Schulen Südtirols

Emanuela Atz ist Englischlehrerin in Salorno/Bolzno, Südtirol, Italien. Sie berichtet über ein Projekt mit italienischen Schulen in der Provinz Bolzano, die 2005 von Windows auf Linux hinübergewechselt haben.

Das Projekt trägt den Namen "Free Upgrade South Tyrol’s Schools (Freies Upgrade für die Schulen Südtirols) - FUSS" und wurde von der italienischen akademischen Aufsicht der Provinz Bozen, dem Europäischen Sozialfonds und dem Zentrum für professionelle Ausbildung in Italien (CTS „Luigi Einaudi“) finanziert.

Ziele
Wie Sie auf der Website des Projektes sehen können, ist das wichtigste Thema des Projektes Freiheit:
„Der Beschluss, freie Software in Schulen zu benutzen, geht über wirtschaftliche und technische Gründe hinaus, es ist eine ethische und politische Entscheidung. Es geht darum, in der Computerbenutzung und im Informatikunterricht wieder von vorn anzufangen, mit den Werten der Freiheit und des Teilens, und nicht nur in der Anwendung wirksamer, solider und sicherer Software. Sie läuft auf älteren Geräten und unterliegt keinen Lizenzkosten. (...) Freie Software bietet gewisse Vorteile, und die Arbeit kann durch die Anwendung gemeinsam entwickelter Geräte verbessert werden und dadurch angenehmer sein. “

Aktivitäten
Im September 2005 wurde die gesamte Computerinfrastruktur der italienischsprachigen Schulen der Region – insgesamt 2.640 Computer – von 40 Computerspezialisten durch eine Plattform mit freier Software ersetzt. 

Das Projekt entwickelte seine eigene Debian-Version, "FUSS Soledad GNU/Linux" oder einfach "Soledad" genannt. Soledad basiert auf der Sarge-Version, doch die FUSS Entwickler haben eine Reihe von Änderungen angebracht.

Die Installations- und Standardeinstellungen wurden an die Bedürfnisse der Schule angepasst und eine besondere GNOME-basierte Benutzeroberfläche wurde erstellt. Die Mischung der Einheiten wurde sorgfältig für die Zielgruppe ausgesucht, mit einer starken Neigung zur pädagogischen Software. Die Einheitsliste für die Einstellung der Benutzeroberfläche ist erhältlich; es gibt ebenfalls eine Version von Soledad für Serveraufstellungen.

ISO Abbilder von Soledad sind auf der FUSS Download Seite erhältlich. Im Zuge des Projekts wurde auch eine CD entwickelt und an LehrerInnen und SchülerInnen verteilt, die sicherstellt, dass alle Beteiligten zu Hause die gleiche Software einsetzen. Die SchülerInnen dieser Schulen können all ihre Schularbeiten mit Hilfe von freier Software machen. Die lokale Struktur erleichterte die gleichzeitige Umstellung des gesamten Schulsystems: die Autonomie der Provinz zum Beispiel half enorm, da Entscheidungen lokal getroffen werden. Außerdem hängen die italienischen Schulen dieser Region von einer zentralen Kaufstruktur für Informationstechnologie ab, und die Beziehung zwischen den Schulen und dem zentralen IT-Koordinationsteam ist gut.

Erste Ergebnisse und Eindrücke der Schulen
Rund vierzig LehrerInnen wurden nach einigen Wochen Unterrichtserfahrung mit FUSS zu den Problemen und Lösungsmöglichkeiten befragt. Aus ihren Antworten geht eine erfolgreiche Erfahrung und eine nicht ganz so erfolgreiche Übergangsphase hervor. Die meisten LehrerInnen sind glücklich über die Einführung und niemand war der Meinung, dass man auf alte Systeme zurückgreifen sollte. Die LehrerInnen haben nicht nur angegeben, dass diese freie Software der zentralen IT-Abteilung Geld spart, sondern haben auch die ethischen Aspekte der freien Software unterstrichen:
“Ich denke es ist nur natürlich und logisch, dass Schulen als Institutionen freie Software einsetzten sollten. Der Austausch von Wissen und die Freizeit des Informationszugangs sollte die Basis für jeden Lernprozess darstellen. Ich glaube, dass sich die Philosophie der freien Software auf die selben Prinzipien stützt."
Es gibt jedoch auch einige Beschwerden. Drucker und andere periphere Geräte waren problematisch. FUSS Mitarbeiten mussten öfter einige Reparaturen vornehmen. Viele LehrerInnen haben Probleme damit ein Linux-basiertes Netzwerk als etwas anzusehen, das sie selbst administrieren können:
“Die FUSS Gruppe hat wirklich exzellente Arbeit geleistet. Die Mitarbeiter waren gut vorbereitet und bei Problemen sofort zur Stelle, doch diese Arbeitsweise ist auf die Dauer ineffizient. Die Schulen benötigen jemanden, der sich um das System kümmert. Falls diese Aufgabe jedoch an eine Lehrperson übertragen wird (der der technische Hintergrund fehlt), wird das System niemals wirklich funktionieren."

Die grundlegende Software "Open Office" funktioniert gut für LehrerInnen und SchülerInnen, obwohl es noch große Probleme mit Macros gibt, die für das neue System adaptiert werden müssen.

Pläne für die Zukunft
Werden andere Schulsysteme dem FUSS Projektbeispiel folgen? Dies ist eine wichtige Frage. Südtirol hat zwei parallele Schulsysteme: das italienischsprachige Schulsystem (das auf Linux wechselte) und das deutschsprachige System (das nicht wechselte). Falls Schulen von FUSS inspiriert werden sollten, wären das am ehesten die deutschsprachigen Schulen in Bozen. Die meisten LehrerInnen erwarten früher oder später diese Veränderungen.

Teilnehmer
Truelite SRL, ein italienisches GNU/Linux Beratungsunternehmen, koordinierte den Übergang. Christopher Gabriel, Leiter der Technologieabteilung bei Truelite, war für die technischen Aspekte der Migration, der Softwareentwicklung und für die Kurse verantwortlich: „Es gibt einige ähnliche Projekte hier in Italien, doch alle sind noch im Anfangsstadium. FUSS ist das einzige Projekt, das bereits Software auf die Computersysteme der Schule installiert hat.”

Der Co-Direktor des Projekts, Antonio J. Russo, Sprecher der italienischen akademischen Aufsicht der Provinz Bozen meinte: „Dank ihrer Nähe zu Österreich, der Schweiz und Ungarn ist die italienische Südtirolgegend eine große Schnittfläche für mehrsprachige Personen. Neue Ideen für die pädagogische Software wurden gebraucht, insbesondere solche ohne Lizenzkosten.“

Russo, Co-Direktor Paolo Zilotti und Gabriel leiten das Team weiterhin: sie bieten Unterstützung für Systemadministratoren und individuelle Lehrer, und sehen die Entwicklung weiterer pädagogischer Software in Zusammenarbeit mit den LehrerInnen, TechnikerInnen und SchülerInnen aller Schulen vor.

Lesen Sie mehr: http://www.fuss.bz.it/ (in Italienisch)

 

 

 

 

 

 

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