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Exponentialfunktion und Logarithmus

Zusammenfassung:
Der Begriff einer Potenz kann so ausgedehnt werden, dass beliebige reelle Zahlen als Exponenten zulässig sind. Eine Exponentialfunktion liegt vor, wenn der Exponent einer Potenz als Variable betrachtet wird. Derartige Funktionen besitzen eine besondere Eigenschaft: In gleich großen Intervallen ändert sich ihr Funktionswert um den gleichen Faktor. Sie eignen sich daher hervorragend dazu, Wachstums- oder Zerfallsprozesse zu beschreiben, für die sich die betrachtete Größe in gleich langen Zeitintervallen um den gleichen Faktor ändert. Ihre Umkehrfunktionen heißen Logarithmen - ihr Zweck besteht darin, aus der Kenntnis einer Potenz und ihrer Basis den Exponenten zu gewinnen.

Einige Abschnitte und Unter-Abschnitte können von ''EinsteigerInnen'' ausgelassen werden. Darauf wird jeweils eigens hingewiesen. Wir möchten Sie aber ermutigen, diese Stellen zumindest oberflächlich zu lesen oder später zu ihnen zurückzukehren.


Stichworte:
Potenzen mit reellen Exponenten | Exponentialfunktionen | Bakterien und exponentielles Wachstum | Graphen: wachsend | Wachstums-Rechner | Weitere Beispiele exponentieller Wachstumsprozesse | Mooresches Gesetz | Radioaktiver Zerfall und exponentielle Abnahme | Graphen: fallend | Halbwertszeit | Altersbestimmung mittels Radiokarbonmethode | Eigenschaften der Exponentialfunktionen | Warum sich Exponentialfunktionen zur Beschreibung exponentieller Prozesse eignen | Die Rolle der Parameter | Definitionsbereich | Monotonie | Injektivität | Die Eulersche Zahl e | Berechnung von e | e als natürliche Basis | Die Funktion exp | Zerfallskonstante | Wachstumsrate | e und die Zinseszins-Rechnung | Logarithmus | Log-Rechner | Logarithmusfunktionen | Graphen der Logarithmusfunktionen | Spezielle Basen: Zehner-Logarithmus lg, natürlicher Logarithmus ln, Zweier-Logarithmus ld | Information, Bits, Bytes und der Zweier-Logarithmus | Definitionsbereich und Monotonie-Eigenschaften des Logarithmus | Rechenregeln für den Logarithmus | Exkurs über die Nützlichkeit des Logarithmus (logarithmische Skala, logarithmischer Maßstab, Logarithmentafel, ...) | Umrechnen von Basen | Zusammenhang zwischen Halbwertszeit und Zerfallskonstante | Logarithmus am Computer | Exponential- und logarithmische Gleichungen | Online-Werkzeug zum Lösen von Gleichungen


Auf einen Blick: alle Formeln dieses Kapitels

 
                                                                                                                                                                                                                                               
    
Potenzen mit reellen Exponenten
        
    

In diesem Kapitel spielen Potenzen, deren Exponenten beliebige reelle Zahlen sein dürfen, eine wichtige Rolle. Daher wollen wir zunächst besprechen, was wir darunter verstehen.

Eine Potenz (oder ein Potenzausdruck) ist ein Term der Form ax. Dabei heißt a die Basis und x der Exponent (die Hochzahl). Der Grund dafür, dass wir den Buchstaben x für den Exponenten verwenden, liegt darin, dass wir in diesem Kapitel daran interessiert sind, wie eine Potenz von ihrem Exponenten abhängt. Wir haben bereits früher ausführlich erörtert, wie eine Potenz mit positiver Basis (a > 0) und rationalem Exponenten x definiert ist, und wir erinnern uns an die Rechenregel (Identität)
     
Kapitel Potenzen
Potenzen mit
rationalen Exponenten

 
 
    

         ax + y   =   ax a y ,     
(1)

die für alle rationalen Zahlen x, y gilt. Sie hat sich als wertvoller Wegweiser erwiesen und wird auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Das Bedürfnis nach mathematischer Allgemeinheit legt nun die Frage nahe, ob Potenzen nicht auch für beliebige reelle Exponenten (also auch für irrationale Exponenten, die nicht als Quotient zweier ganzer Zahlen geschrieben werden können, wie Ö2 oder p) definiert werden kann. Kann etwa der Potenz 2p ein Sinn gegeben werden? Wir wollen nun kurz darlegen, dass das tatsächlich möglich ist.

Wir benutzen dabei die Tatsache, dass jede irrationale Zahl beliebig genau durch rationale Zahlen angenähert werden kann. Falls es sich beim Exponenten etwa um die Zahl p handelt, betrachten wir die Zahlenfolge

3.14,   3.141,   3.1415,   3.14159, ...

und geben in jedem Schritt die nächste Ziffer in der Dezimaldarstellung von p dazu. Diese Zahlen kommen p immer näher (genauer gesagt: sie kommen beliebig nahe an p heran), und sie alle sind rational (so ist etwa 3.14 = 314/100 ein Quotient zweier ganzer Zahlen), daher als Exponenten einer Potenz zulässig. Wir betrachten nun die Potenzen, die wir mit diesen Zahlen bilden können:

a3.14,   a3.141,   a3.1415,   a3.14159, ...

Um anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, wie sich diese Zahlen verhalten, setzen wir a = 2 und sehen uns die Dezimaldarstellungen der ersten sechs Potenzen an:

x 2x
  3.14     8.815240927...  
  3.141     8.821353304...  
  3.1415     8.824411082...  
  3.14159     8.824961595...  
  3.141592     8.824973829...  
  3.1415926     8.824977499...  
     
 
 
    
Wir erkennen, dass sich die Zahlen der rechten Spalte immer weniger ändern. Sie streben einer bestimmten reellen Zahl zu, und diese Zahl bezeichnen wir als 2p. Ihre Dezimaldarstellung beginnt mit 8.824977827... In der Fachsprache wird sie als "Grenzwert" der Zahlenfolge, die in der rechten Spalte steht, bezeichnet. Dieselbe Methode kann auch für andere (positive) Basen a und für andere (irrationale) Exponenten x angewandt werden. Da die Rechenregel (1) für rationale Exponenten gilt, durch die wir irrationale Exponenten beliebig gut annähern, dürfen wir annehmen, dass sie auch für letztere gilt.
 
     



Kapitel Grenzprozesse (in Vorbereitung)
Grenzwert
(in Vorbereitung)
 
     Wir haben bei dieser Argumentation nicht die allergrößte mathematische Strenge walten lassen, wollen uns aber dennoch hier mit ihr zufrieden geben. Einige Bemerkungen darüber, was hinter diesem Verfahren steckt, können Sie mit Hilfe des nebenstehenden Buttons aufrufen. Wenn Ihnen unsere Konstruktion ein bisschen umständlich erscheint, so können wir sie beruhigen: Ihr Zweck liegt nicht in praktischen Berechnungen - diese werden wir nach wie vor an elektronische Rechner delegieren. Der Sinn unserer Argumentation war lediglich, uns (theoretisch) zu vergewissern, dass der Begriff der Potenz für beliebige reelle Exponenten einen Sinn macht.

Dieses Ziel haben wir erreicht, und so halten wir fest:

Ist a > 0, so kann die Potenz ax für beliebige reelle Exponenten x definiert werden.
Die Rechenregel (1) ist nach wie vor gültig: In ihr stehen x und y nun für beliebige reelle Zahlen.
     


zur Definition von 2p
 
    
Für diesen erweiterten Potenzbegriff gelten - neben (1) - auch die anderen Rechenregeln, die wir schon für rationale Exponenten kennengelernt haben. Sie können die wichtigsten mit Hilfe des nebenstehenden Buttons aufrufen. Wir haben damit die Idee der Potenz soweit verallgemeinert, wie das im Rahmen der reellen Zahlen möglich ist. Eine weitere Ausdehnung dieser Idee, nämlich auf komplexe Zahlen, werden wir in einem späteren Kapitel betrachten.

 
     
Kapitel Komplexe Zahlen (in Vorbereitung)
komplexe Potenzen
(in Vorbereitung)
 
 
    
Exponentialfunktionen
     
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Da wir nun beliebige reelle Zahlen als Exponenten verwenden dürfen, können wir fragen, wie die Potenz einer gegebenen (positiven) Basis a von ihrem Exponenten abhängt. Mit anderen Worten, wir können die Zuordnungsvorschrift

   x   ®   ax
(2)

betrachten. Sie definiert eine Funktion auf der Menge der reellen Zahlen. Eine derartige Funktion wird Exponentialfunktion genannt. Auch allgemeinere Zuordnungsvorschriften der Form
 
     
Kapitel Funktionen 1
Funktionen
 
 
    
x   ®   c abx,
(3)

wobei b und c festgehaltene Zahlen sind, werden mit demselben Namen bezeichnet.

Exponentialfunktionen spielen in der Mathematik und in vielen ihrer Anwendungen eine wichtige Rolle. Ohne sie ließe sich kaum ein dynamisches System verstehen, sei es physikalischer, chemischer, biologischer oder ökonomischer Natur. Wir werden weiter unten sehen, wie sie dazu benutzt werden, Wachstums- und Zerfallsprozesse zu modellieren. Aber auch in anderen Zusammenhängen begegnen sie uns, von der Wahrscheinlichkeitsrechnung bis zur Quantentheorie. Das Gebiet der Differentialgleichungen wäre ohne sie undenkbar, und ihre Verallgemeinerung im Rahmen der komplexen Zahlen zeigt eine tiefe Verwandtschaft mit Winkelfunktionen und Schwingungsvorgängen auf, deren Anwendungen bis in die Wechselstromtechnik reichen.

Diese breite Anwendbarkeit verdanken die Exponentialfunktionen der Einfachheit der ihr zu Grunde liegenden Idee. Lassen wir ihre "Entstehungsgeschichte" kurz Revue passieren:
     
Vorgriff auf spätere Kapitel
Dynamische Systeme
(in Vorbereitung)
Wahrscheinl.rechng
(in Vorbereitung)
Diff.gleichungen
(in Vorbereitung)
Kapitel Winkelfunktionen
Winkelfunktionen


 
 
    
Ausgehend von einer simplen Bezeichnungsweise (an als das n-fache Produkt von a mit sich selbst) haben wir schrittweise größere Zahlenbereiche als Exponenten zugelassen: erst ganze, dann rationale und schließlich reelle Zahlen. Das Prinzip der ersten beiden Verallgemeinerungen (die in einem früheren Kapitel durchgeführt wurden) bestand hauptsächlich darin, die Gütligkeit der Rechenregel (1) beizubehalten. Die Ausdehung auf reelle Exponenten hat sich dann mehr oder weniger von selbst ergeben.
Exponentialfunktionen gehören - wie die Winkelfunktionen - zu den mathematischen Objekten, die sich in der modernen Mathematik auf "natürliche" Weise aus einfachen Überlegungen ergeben, und denen daher die Aura der Universalität anhaftet.

Machen Sie sich selbst ein wenig mit dem Verhalten der Exponentialfunktionen vertraut! Benuzten Sie etwa den mathe online Funktions-Plotter, um sich die Graphen von 2x, 3x, 10x, (1/2)x, (1/3)x, 2-x und 3-x (einzugeben als 2^x, 3^x, 10^x, (1/2)^x, (1/3)^x, 2^(-x) und 3^(-x)) anzusehen. Weiter unten werden wir die wichtigsten mathematischen Eigenschaften der Exponentialfunktionen besprechen.

 
     



Kapitel Potenzen
Potenzen
 
    
Bakterien und exponentielles Wachstum
     
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Wir wollen nun illustrieren, wie Exponentialfunktionen bei der Modellierung von Wachstumsprozessen auftreten. Betrachten wir eine Bakterienkultur. Ihr Wachstum (das aufgrund von Zellteilung zustande kommt) sei durch folgende drei Eigenschaften charakterisiert:
  1. In gleich langen Zeitintervallen vergrößert sich die Zahl der Bakterien um den gleichen Faktor.
  2. Zu Beginn besteht die Kultur aus 1000 Bakterien.
  3. Während jeder Stunde verdoppelt sich die Zahl der Bakterien.
Wir machen zunächst einige Bemerkungen zu diesen Eigenschaften:
 
     
 
 
    
  • Die erste Eigenschaft ist die entscheidende, denn sie charakterisiert die Natur des Prozesses: Im vorliegenden Beispiel liegt ihr die Annahme zu Grunde, jedes Bakterium produziere mit gleichbleibender Rate Nachkommen, unabhängig von der Größe der Kultur und der seit Beginn verstrichenen Zeit. Wichtig in der obigen Formulierung ist das Wort "Faktor": Es kommt nicht etwa eine fixe Anzahl Bakterien pro Zeiteinheit dazu, sondern eine Zahl, die proportional zur bereits bestehenden Größe der Kultur ist. Je mehr Bakterien bereits vorhanden sind, umso mehr kommen dazu, und das geschieht in kontinuierlicher ("stetiger") Weise. Einen Prozess dieses Typs nennen wir - aus Gründen, die wir gleich kennenlernen werden - exponentielles Wachstum.
  • Die Eigenschaften 2 und 3 legen die Kennzahlen des Prozesses (den Anfangswert und die Vermehrungsrate) quantitativ fest. Wir benötigen sie, um konkrete (quantitative) Voraussagen machen zu können. (In manchen Lehrbüchern wird ihre Bedeutung zu stark hervorgehoben, die fundamentale Bedeutung von Eigenschaft 1 hingegen ein bisschen zuwenig betont).
  • Bei den drei Annahmen (insbesondere bei Eigenschaft 1) handelt es sich natürlich nur um ein Modell:
    • Die Zahl der Bakterien ist in Wahrheit diskret, d.h. sie wird sich nicht in kontinuierlicher Weise erhöhen, sondern sprunghaft, zu bestimmten Zeiten: So kann es geschehen, dass sich während eines Zeitraums von einer Sekunde gar nichts tut, in der darauffolgenden Sekunde aber ein neues Bakterium hinzukommt. (Zusätzlich könnte man einwenden, dass gar nicht klar ist, ab wann wir von einem "neuen Bakterium" sprechen, denn jede Teilung benötigt ihre Zeit). Bei großen Kulturen ist es aber legitim, diese Probleme zu ignorieren und sowohl die "Zahl der Bakterien" als auch die verstrichene Zeit als kontinuierliche Größen zu behandeln und durch reelle Zahlen zu beschreiben.
    • Wir lassen hier die Frage bei Seite, wie genau sich Bakterien an ihr Wachstumsgesetz halten.
    • Exponentielles Wachstum kann nicht bis in alle Ewigkeit weitergehen. Irgendwann stößt es an Grenzen, die den Prozess verlangsamen, und die gleichzeitig die Grenzen des Modells bestimmen.
  • Ungeachtet dieser möglichen Einwände ist es wichtig, Modelle mathematisch ernst zu nehmen und die Voraussagen, die aus ihnen folgen, zu ermitteln. Die Grenzen des Gültigkeitsbereichs ergeben sich oft erst nach einer derartigen Analyse. Wir wollen uns daher hier nicht mit etwaigen Schwächen der Anwendbarkeit des Modells herumschlagen, sondern stellen das Modell selbst in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen.
Beginnen wir mit der Analyse des durch die drei obigen Eigenschaften definierten Modells. Unser Ziel ist es, vorauszusagen, welche Größe die Kultur nach eine gegebenen Zeit t hat. Aufgrund der dritten Eigenschaft ist es leicht, die Zahl der Bakterien zu jeder vollen Stunde zu berechnen: Nach 1 Stunde gibt es 2000 Bakterien, nach 2 Stunden gibt es 4000 Bakterien, nach 3 Stunden gibt es 8000 Bakterien, usw. Um das Wachstum rechnerisch in den Griff zu bekommen, überlegen wir uns, wie diese Zahlen zustande kommen:
  • Zu Beginn (zur Zeit 0) gibt es 1000 = 1000 × 20 Bakterien.
  • Nach 1 Stunde gibt es doppelt so viele Bakterien, also 1000 × 2 = 1000 × 21 Stück.
  • Nach 2 Stunden ist ihre Anzahl wieder um einen Faktor 2 gewachsen, d.h. es gibt nun 1000 × 2 × 2 = 1000 × 22 Stück.
  • Nach 3 Stunden gibt es 1000 × 22 × 2 = 1000 × 23 Stück.
Denken wir uns diese Argumentation beliebig weit fortgesetzt, so erkennen wir: Nach t Stunden besteht die Kultur aus

1000 × 2t Bakterien.
(4)

Das ist eine äußerst praktische Formel. Um etwa die Größe der Kultur nach 24 Stunden zu ermitteln, müssen wir nicht 24 Verdoppelungsschritte machen, sondern einfach die Zahl 1000 × 224 berechnen. Wir erhalten 16777216000, d.h. (gerundet) 16.8 Milliarden Stück, also eine sehr große Zahl. Hier sehen wir auch den Grund für die Bezeichnung "exponentiell": Die Zeit-Variable t (die Zahl der vergangenen Stunden) tritt in Formel (4) als Exponent auf. Mit größer werdendem t wächst 2t "exponentiell" an und erreicht sehr schnell riesige Werte.

Wie werden in diesem Kapitel des Öfteren auf ähnliche Berechnungen stoßen. Um sie schnell ausführen zu können, stellen wir hier einen Wachstums-Rechner zur Verfügung:
 
 ×       

Für drei gegebene Zahlen  a, b und c berechnet er  a × bc. Für die obige Rechnung geben Sie 1000 in das erste, 2 in das zweite und 24 in das dritte (hochgestellte) Textfeld ein und klicken auf das Gleichheitszeichen! (Jeder andere elektronische Rechner oder ein Taschenrechner kann das natürlich auch).

Unsere schöne Formel (4) könnte den Anschein erwecken, wir hätten damit bereits ein mathematisches Modell, das das Wachstum der Bakterienkultur in befriedigender Weise beschreibt. Im nebenstehenden Diagramm ist dargestellt, was sie leistet: Die Zahl der Bakterien zu einer bestimmten Zeit wird vertikal über der entsprechenden Zeitmarke aufgetragen. Wird nacheinander t = 1, t = 2, t = 3 usw. eingesetzt, so liefert Formel (4) die gelben Punkte: die Zahl der zu jeder vollen Stunde vorhandenen Bakterien. Nun wollen wir aber eine harmlose Frage stellen, und wie so oft in der Mathematik bringen wir mit einer kleinen Frage große Dinge ins Rollen: Wie viele Bakterien gibt es nach einer halben Stunde? Wo genau liegt der Punkt in unserem Diagramm, der der Markierung für 1/2-Stunde entspricht?

Um diese Frage zu beantworten, benötigen wir die Eigenschaft 1 unseres Systems: "In gleich langen Zeitintervallen vergrößert sich die Zahl der Bakterien um den gleichen Faktor". Damit lässt sich das Problem lösen: Nach einer halben Stunde haben sich die Bakterien um einen Faktor vermehrt, den wir im Moment nicht kennen und mit q bezeichnen. 1/2 Stunde nach Beginn gibt es also 1000 q Bakterien. In der darauffolgenden halben Stunde vermehren sie sich - gemäß Eigenschaft 1 - ebenfalls um den Faktor q, d.h. es gibt nun 1000 q2 Bakterien. Andererseits ist insgesamt ist 1 Stunde vergangen, und wir wissen aufgrund von Eigenschaft 3, dass sich die Zahl der Bakterien verdoppelt hat. Es muss also q2 = 2 gelten, woraus q = Ö2 = 1.414213562... folgt. Die Antwort auf die Frage ist also, dass es nach einer halben Stunde (ungefähr) 1414 Bakterien gibt. Der exakte, von unserem Modell vorausgesagte Wert ist 1000 Ö2. Nun beobachten wir, dass das auch als 1000 × 21/2 geschrieben werden kann, denn 21/2 ist gerade die Quadratwurzel aus 2. Das bedeutet aber, dass Formel (4) auch für t = 1/2 gilt !

Eigentlich ist das eine überraschende Erkenntnis! Wir haben Potenzen mit rationalen Exponenten bisher ohne jeglichen Bezug zu konkreten Anwendungen, sondern eher aus formalen Beweggründen heraus - vor allem durch den Wunsch, Rechenregel (1) auch für rationale Exponenten beizubehalten - definiert. Auf keinen Fall haben wir dabei an Bakterien und Wachstumsprozesse gedacht. Und dennoch stellt sich nun heraus, dass sich die Konvention, die Quadratwurzel aus a als a1/2 zu schreiben, bestens zur Beschreibung des Bakterienwachstums eignet. Unser obiger Wachstums-Rechner kennt diese Konvention natürlich auch - probieren Sie es aus, indem Sie 1/2 oder 0.5 in das Textfeld für den Exponenten schreiben!

Doch damit nicht genug: Es ist nicht schwer, zu zeigen, dass Formel (4) für alle (positiven) reellen Zeitenangaben t anwendbar ist. Mit anderen Worten:

Das Wachstum der Bakterienkultur wird durch die Exponentialfunktion

                   t   ®   1000 × 2t
(5)

beschrieben, d.h. durch Formel (4), in die jetzt beliebige (positive) reelle t eingesetzt werden dürfen!

     
 
 
     Um diese Behauptung zu beweisen, kann die zuvor für t = 1/2 durchgeführte Argumentation auf rationale t verallgemeinert und die Behauptung anschließend auf reelle t ausgedehnt werden (siehe den nebenstehenden Button). Wie werden auf die Frage, warum sich Exponentialfunktionen zur Beschreibung exponentieller Prozesse eignen, weiter unten noch einmal zurück kommen und den tieferen Grund dafür - er hängt mit der Rechenregel (1) zusammen - verstehen.

Da t nun einen beliebigen Punkt am positiven Teil der Zahlengeraden darstellen kann, können wir unsere graphische Veranschaulichung des Prozesses verbessern: Die rote Linie im nebenstehenden Diagramm stellt den Graphen der Exponentialfunktion (5) dar.

Jetzt sind wir in der Lage, einfache Aufgaben der folgenden Art lösen: Wie groß ist die Anzahl der Bakterien nach einer Stunde und 15 Minuten? Lösung: Eine Stunde und 15 Minuten ist 1.25 Stunden. Wir setzen t = 1.25 in (4) ein und erhalten (z.B. mit Hilfe des obigen Wachstums-Rechners) 2378.41423..., also gerundet: 2378 Stück.

Vom mathematischen Standpunkt betrachtet, ist das Interessante aber nicht so sehr das Einsetzen von Zahlen in eine Formel, sondern das Aufstellen von Wachstumsmodellen.


Weitere Beispiele exponentieller Wachstumsprozesse


Viele Systeme verhalten sich ganz ähnlich wie unsere Bakterien. Wir wollen nun in aller Kürze einige weitere Prozesse vorstellen und zeigen, wie sie in mathematische Form gebracht werden. Für sie alle gelten Eigenschaften analog zu den für das Bakterienwachstum postulierten, wobei Eigenschaft 1 lediglich verbal angepasst, in den Eigenschaften 2 und 3 auch die Zahlenwerte ausgetauscht werden müssen.

Zwei Beispiele:
  1. Noch einmal Bakterien:
    • Charakterisierung des Prozesses: Die von einer Bakterienkultur belegte Fläche wächst exponentiell und beträgt zu Beginn 20 cm2. Innerhalb einer Minute wächst sie um 4%.
    • Ermittlung der Exponentialfunktion: Das bedeutet, dass sie während einer Minute auf 104% ihrer ursprünglichen Größe, d.h. um den Faktor 1.04 anwächst. Nach derselben Logik wie in unserem ausführlich diskutierten Bakterienbeispiel ist die Fläche nach t Minuten durch 20 × 1.04t cm2 gegeben. (Machen Sie die Probe, indem Sie t = 1 einsetzen: Nach einer Minute wird eine Fläche von 20 × 1.04 cm2 vorausgesagt, was mit der Angabe übereinstimmt).
     
  2. Seerosen auf einem Teich:
    • Charakterisierung des Prozesses: Die Seerosen auf der Oberfläche eines Teichs vermehren sich exponentiell. Zu Beginn sind 17 Stück vorhanden. Alle 4 Tage verdoppelt sich ihre Anzahl.
    • Ermittlung der Exponentialfunktion: Nach x 4-Tages-Perioden beträgt ihre Anzahl 17 × 2x. Da in dieser Zeit t = 4 x Tage vergehen, ist die Zahl der Seerosen nach t Tagen durch 17 × 2t/4 gegeben. (Machen Sie die Probe, indem Sie t = 4 einsetzen: Nach 4 Tagen wird eine Anzahl von 17 × 2 vorausgesagt, was mit der Angabe übereinstimmt).
       
     

 
     Mit Hilfe des nebenstehenden Buttons können Sie eine Liste weiterer Beispiele aufrufen. In ihr wird die Beschreibungsweise der betrachteten Prozesse ein bisschen variiert, und es wird vorgeführt, wie die zugehörigen Exponentialfunktionen ermittelt werden. Unter anderem lernen Sie das Mooresche Gesetz über die exponentielle Zunahme der Leistungsfähigkeit von Computern kennen. Als letztes Beispiel wird das Modell für den allgemeinen exponentiellen Wachstumsprozess, in dem alle Kennzahlen offen gelassen sind, angeschrieben.

 
     
Beispiele für
exponentielles
 
    
Radioaktiver Zerfall und exponentielle Abnahme
     
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Nicht nur die Zunahme, sondern auch die Abnahme einer Größe kann auf exponentielle Weise geschehen. Um derartige Prozesse zu beschreiben, ist lediglich eine kleine Änderung unserer bisheigen Betrachtungsweise nötig. Betrachten wir ein radioaktives Präparat, d.h. einen Stoff, in dem eine gewisse Anzahl "zerfallsfähiger" Atomkerne vorhanden sind. Jeder dieser Kerne wird irgendwann "zerfallen", d.h. ein Elementarteilchen (radioaktive Strahlung) aussenden und sich dabei in einen Atomkern nicht-aktiven Typs umwandeln. Je mehr zerfallsfähige Kerne vorhanden sind, umso mehr Strahlung wird emittiert. Da die zerfallsfähigen Kerne nach und nach "verbraucht" werden, wird die Strahlung im Laufe der Zeit abklingen. Die von unserem Präparat ausgehende radioaktive Strahlung sei durch folgende drei Eigenschaften charakterisiert:
  1. In gleich langen Zeitintervallen verkleinert sich ihre Intensität um den gleichen Faktor.
  2. Zu Beginn beträgt sie 1000 (in Einheiten, um die wir uns jetzt nicht kümmern wollen).
  3. Während jeder Stunde halbiert sich ihr Wert.
Diese Formulierungen wird fast identisch mit jenen, die wir oben für unser Beispiel des Bakterienwachstums gebraucht haben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die interessierende Größe nach einer Stunde nicht 2 mal, sondern 1/2 mal, also 2-1 mal so groß ist wie zu Beginn. Wir können alle Überlegungen des vorigen Abschnitts übernehmen und müssen lediglich annehmen, dass der "Faktor", von dem in Eigenschaft 1 die Rede ist, kleiner als 1 ist. Völlig analog zur Herleitung von (4) schließen wir, dass die Intensität nach t Stunden auf den Wert

1000 × (1/2)t
(6)

abgesunken ist. Das können wir auch als 1000 × (2-1)t schreiben, und da (2-1)t = 2-t ist, können wir anstelle von (6) auch

  1000 × 2-t
(7)

schreiben. Welche der beiden Formeln (6) oder (7) zur Beschreibung des Prozesses benutzt wird, ist im Grunde genommen gleichgültig. Oft wird die zweite Variante (7) vorgezogen, aber das ist keine bindende Vorschrift. Das Minuszeichen im Exponenten zeigt an, dass es sich um einen Zerfalls- und nicht um einen Wachstumsprozess handelt. Wie im vorigen Abschnitt kann argumentiert werden, dass diese beiden Formeln für alle (positiven) reellen t anwendbar sind. Nebenstehend ist als Veranschaulichung der Graph der Funktion (6) bzw. (7) abgebildet. Unser obiger Wachstums-Rechner eignet sich (trotz seines Namens) auch für Zerfallsprozesse. Probieren Sie es aus, indem Sie die Zahl der Intensität der Strahlung nach einer Stunde und 15 Minuten (1.25 Stunden) berechnen!

Einen Prozess dieses Typs nennen wir exponentiellen Zerfall (Abfall), exponentielle Abnahme oder exponentielles Abklingen. Jene Zeitdauer, während der die beschriebene Größe auf die Hälfte absinkt (in unserem Beispiel: 1 Stunde) heißt Halbwertszeit.

Klarerweise handelt es sich bei den gemachten Annahmen (den drei obigen Eigenschaften) wieder nur um ein Modell. Mit wachsendem t fällt 2-t "exponentiell" ab und erreicht schnell sehr kleine Werte. Spätestens wenn kein zerfallsfähiger Atomkern mehr vorhanden ist, ist die Grenze des Modells erreicht.
 
     
 
 
     Mit Hilfe des nebenstehenden Buttons können Sie eine Liste weiterer Beispiele für exponentielle Zerfallsprozesse aufrufen. In ihr wird die Beschreibungsweise der betrachteten Prozesse ein bisschen variiert, und es wird vorgeführt, wie die zugehörigen Exponentialfunktionen ermittelt werden. Außerdem erfahren Sie, wie die Altersbestimmung durch die Radiokarbonmethode funktioniert und wie die Halbwertszeit abgelesen werden kann, wenn die Exponentialfunktion bekannt ist. Als letztes Beispiel wird das Modell für den allgemeinen exponentiellen Zerfallsprozessprozess, in dem alle Kennzahlen offen gelassen sind, angeschrieben.

Die Beispiele, verglichen mit jenen des vorigen Abschnitts, illustrieren, dass Wachstums- und Zerfallsprozesse durch denselben Formalismus beschrieben werden: den der Exponentialfunktionen, deren Eigenschaften wir uns im nächsten Abschnitt zuwenden werden.
     
Beispiele für
exponentielle
 
    
 
 

 
 
In den beiden letzten Abschnitten haben wir Wachstums- und Zerfallsprozesse durch kontinuierliche Modelle, in denen die Zeit wird durch eine reelle Variable dargestellt wird, beschrieben. Wir werden die Dynamik von Modellen dieser Art in einem späteren Kapitel genauer analysieren. Dort werden wir auch eine andere Beschreibungsweise für dynamische Prozesse kennen lernen: diskrete Modelle, in denen die Zeit in "Schritten" abläuft.

 
     
Kapitel Dynamische Systeme (in Vorbereitung)
Dynamische Systeme
(in Vorbereitung)


 
 
    
Eigenschaften der Exponentialfunktionen
     
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Wie wir in den beiden vorhergehenden Abschnitten anhand mehrerer Beispiele gesehen haben, ist ein exponentieller Prozess durch eine Exponentialfunktion, d.h. durch eine Funktion der Form (3) definiert. Wir schreiben sie als

f(x)   =   c abx .
(8)

Die Wachstums- und Zerfallsfunktionen aller bisher betrachteten Beispiele haben diese Form. Sie unterscheiden sich voneinander lediglich durch unterschiedliche Werte der Konstanten a (> 0), b und c (die auch als Parameter bezeichnet werden). Im Folgenden werden wir einige zentrale Eigenschaften dieser Funktionen diskutieren.


Warum sich Exponentialfunktionen zur Beschreibung exponentieller Prozesse eignen


Es ist lehrreich, sich kurz zu überlegen, was Funktionen der Form (8) so bedeutend macht. Wir haben exponentielle Wachstums- und Zerfallsprozesse dadurch charakterisiert, dass die betrachtete Größe "in gleich langen Zeitintervallen um den gleichen Faktor wächst (schrumpft)", wobei es nicht immer um zeitliche Abläufe geht, sondern ganz allgemein um das Verhalten einer Größe in Abhängigkeit von einer anderen (wie beispielsweise die Helligkeit des Lichts als Funktion der Dicke einer Glasscheibe, durch die es fällt). Diese entscheidende Eigenschaft findet sich nun bei Funktionen des Typs (8) in der folgenden Form wieder:

In gleich großen Intervallen ändert sich der Funktionswert um den gleichen Faktor.

Konkreter ausgedrückt, heißt das:
Wird x um einen bestimmten Wert s auf x + s erhöht, so ist die entsprechende Änderung des Funktionswerts (von f(x) auf f(x + s)) von folgendem Typ:

f(x + s)   =   Faktor, der nur von s abhängt   ×   f(x)

Wir können das leicht beweisen, indem wir x + s statt x in (8) einsetzen:

f(x + s)   =   c ab(x + s)   =   c abs abx   =   abs f(x) .
(9)

Beim zweiten Gleichheitszeichen haben wir (1), die zentrale Rechenregel für Potenzen, verwendet, beim dritten Gleichheitszeichen haben wir (8) benützt. Diese Identität gilt übrigens für alle reellen s, nicht nur für die positiven. Mit ihr ist die Behauptung bewiesen: Der "Faktor, der nur von s abhängt", ist abs. Wichtig ist, dass er nicht von x abhängt. Mit welchem x auch immer begonnen wird: Wächst x (additiv) um s, so ändert sich der Funktionswert (multiplikativ) um den Faktor abs. Diese Koppelung von additivem mit multiplikativem Verhalten geht auf das Verhalten von Potenzen zurück: den Zusammenhang zwischen dem Produkt (von Potenzen) und der Summe (der Exponenten), wie er durch (1) ausgedrückt wird. Wir sehen also, dass es die Identität (1) ist, der die Exponentialfunktionen ihre Eignung zur Beschreibung exponentieller Prozesse verdanken.


Der Rest dieses Abschnitts kann von ''EinsteigerInnen'' ausgelassen werden.


Die Rolle der Parameter


Die Funktionsterme der Form (8) beinhalten drei Konstante (Parameter) a, b und c. Allerdings sind diese Zahlen durch die Funktion f nicht eindeutig bestimmt! Das liegt daran, dass Potenzen mit verschiedener Basis und verschiedenen Exponenten durchaus dasselbe bedeuten können. So kann beispielsweise 16x/2 auch als 4x oder als 22 x oder auch als (1/2)-2 x geschrieben werden - alle diese Ausdrücke beschreiben ein und dieselbe Exponentalfunktion! Das mag lästig erscheinen, liegt aber in der Natur des Potenzierens. Wir haben also immer die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Schreibweisen derselben Exponentialfunktion (zwischen verschiedenen Basen), und wir werden weiter unten eine Regel kennenlernen, wie wir eine Potenz mit irgendeiner Basis zu einer Potenz mit einer beliebigen anderen Basis umformen können. Eine Möglichkeit, einen gegebenen Funktionsterm der Form (8) zu vereinfachen, besteht darin, die Konstante b im Exponenten "zum Verschwinden zu bringen". Das ist gar nicht schwierig, denn wir können (8) in der Form

f(x)   =   c abx   =   c (ab)x   =   c Ax,
(10)

schreiben, wobei wir A = ab definiert haben. a und b spielen also keine voneinander unabhängige Rolle, sondern es ist nur die Kombination ab, die zählt.

Manchmal ist es vorteilhaft, zu wissen, welche Bedeutung die Parameter a, b und c in (8) haben: Wie widerspiegeln ihre Werte die Eigenschaften des modellierten Prozesses? Wir können auch den Spieß umdrehen und fragen, welcher Prozess durch eine gegebene Exponentialfunktion der Form (8) beschrieben wird (wobei wir annehmen, dass a und c positiv sind). Der nebenstehende Button ruft eine Reihe von Bemerkungen zu diesen Fragestellungen auf.
     
Bedeutung der
 
    


Definitionsbereich


Die Exponentialfunktionen sind für alle reellen Zahlen x definiert, d.h. ihr Definitionsbereich ist die gesamte Menge R. Für die Modellierung eines exponentiellen Prozesses wird in der Regel nur ein Teil dieses Bereichs (üblicherweise x ³ 0) benötigt, da jeder realistische Prozess irgendwann einmal beginnt).


Monotonie und Injektivität


Zum Abschluss dieses Abschnitts wollen wir noch einige wichtige Eigenschaften der Exponentialfunktionen erwähnen. Wir betrachten Funktionen vom Typ (8) mit c > 0. Sie sind alle positiv: f(x) > 0 für alle x Î R. Mit der Abkürzung A =  ab wie in (10) gilt für sie:
 
     





Kapitel Funktionen 1
Definitionsbereich
einer Funktion
 
    
  • Ist A > 1, so ist f eine streng monoton wachsende Funktion:

    aus   x1 < x2   folgt   f(x1)  <  f(x2) ,
    (11)

    d.h. sie beschreibt einen Wachstumsprozess.
     
  • Ist A < 1, so ist f eine streng monoton fallende Funktion:

    aus   x1 < x2   folgt   f(x1)  >  f(x2) ,
    (12)

    d.h. sie beschreibt einen Prozess der Abnahme (einen Zerfallsprozess).
     
  • Im Grenzfall A = 1, der nur für a = 1 oder b = 0 eintritt, ist f eine konstante Funktion.
     
Kapitel Funktionen 1
Monotonie
 
    

Beweis: Er ergibt sich unmittelbar aus (9), wenn wir abs als As schreiben: Für s > 0 kann x1 º x und x2 º x + s identifiziert werden, woraus  f(x2) = As f(x1)  folgt. Je nachdem, ob A (und daher auch As) größer oder kleiner als 1 ist, ist f(x2) größer oder kleiner als f(x1).

Aus der Monotonie folgt, dass die betrachteten Funktionen (für c > 0 und A ¹ 1) injektiv sind. Das bedeutet, dass jeder Funktionswert höchstens einmal angenommen wird.
 
Beweis: Ist x1 ¹ x2, so ist entweder x1 > x2 oder x1 < x2, was nach (11) und (12) zur Folge hat, dass f(x1) größer oder kleiner als f(x2) ist. Daher können zwei Funktionswerte f(x1) und f(x2) nur dann gleich sein, wenn x1 = x2 ist.

Als letzte Eigenschaft erwähnen wir, dass jede der betrachteten Funktionen (für c > 0 und A ¹ 1) jeden positiven Wert annehmen kann (mit anderen Worten: ihr Wertebereich ist die Menge R+ ): Ihre Graphen nähern sich "im Unendlichen" der x-Achse entweder im Bereich positiver oder negativer x (je nachdem, ob A < 1 oder A > 1 ist) und wachsen im jeweils anderen Bereich über jede Schranke an. Daher wird jede positive Zahl, sei sie noch so klein oder so groß, als Funktionswert angenommen. Um ein Gefühl für diese Eigenschaft zu bekommen, sehen Sie sich einige solcher Graphen (z.B. der Funktionen x ® (1/2)x und x ® 2x) mit Hilfe des mathe online Funktions-Plotters noch einmal an! Zusammen mit der Eigenschaft der Injektivität bedeutet das, dass jede positive Zahl genau einmal als Funktionswert angenommen wird.
 
     


Kapitel Potenzen
Potenzen und die Ordnung der reellen Zahlen


Kapitel Funktionen 1
injektiv
 
     Die Exponentialfunktionen besitzen weitere bedeutsame und "schöne" Eigenschaften, auf die wir in späteren Kapiteln, insbesondere im Rahmen der Differentialrechnung, stoßen werden.

 
     
Kapitel Differentialgleichungen (in Vorbereitung)
Differentialgleichungen
(in Vorbereitung)
 
    
Die Eulersche Zahl e
     
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Der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler hat im 18. Jahrhundert eine Zahl in die Mathematik eingeführt, die mit e bezeichnet wird und seither nicht mehr wegzudenken ist. Wie p ist sie eine irrationale Zahl, und ihre Dezimaldarstellung beginnt mit

e  =  2.71828182845904523536028747135266...
(13)

Gehört die Eulersche Zahl e nicht zu Ihrem Lernstoff, so überspringen Sie nun den Rest dieses Abschnitts, nehmen aber am Besten zur Kenntnis, dass sie den soeben angeschriebenen Wert hat und als "natürliche Basis" bezeichnet wird.

Was es mit der Zahl e auf sich hat, können wir an dieser Stelle nur zu einem kleinen Teil vermitteln, denn ihre Bedeutung wird erst nach und nach mit fortschreitendem Stoff klarer werden. Eine Möglichkeit, die Zahl e kurz und bündig zu definieren, ist diese: e ist die einzige positive Zahl, für die

ex  ³  1 + x      für alle x Î R
(14)

gilt. In der nebenstehenden Skizze sind die Graphen dieser beiden Funktionen gezeichnet: Jener von ex liegt - außer im Punkt (0, 1) - gänzlich "oberhalb" der Geraden, die den Graphen von 1+ x bildet. Die Basis e ist die einzige, die diese Eigenschaft hat: Ist a ¹ e, so schneidet der Graph von ax die Gerade in zwei Punkten, liegt also zum Teil "unterhalb" von ihr. Wenn Sie die Maus über die Skizze fühen, so erscheint zum Vergleich der Graph von 2x; wenn Sie auf die Graphik klicken, sehen Sie den Graphen von 5x. Wir wollen diese Veranschaulichung als ausreichende Begründung für die Existenz und Eindeutigkeit der Zahl e ansehen. Im nebenstehenden Applet ist sie auf dynamische Weise veranschaulicht. Mit Hilfe des darunter stehenden Buttons können Sie einen kleinen Exkurs zur Zahl e aufrufen, der den soeben beschriebenen Sachverhalt genauer diskutiert.
 
     
Applet
Zur Definition der Eulerschen Zahl e

zur Zahl e
 
     Wieso ist Eigenschaft (14) bedeutsam? Das hängt mit der Frage zusammen, wie sich Exponentialfunktionen der Form (2), d.h. x ® ax, für kleine x verhalten. Aus der obigen Skizze geht hervor, dass die Graphen der Funktionen ex und 1+ x in der Nähe des Punktes (0, 1) einen sehr ähnlichen Verlauf haben, d.h. dass