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Funktionen 2

Zusammenfassung:
Aus diesem - zweiten, relativ anspruchsvollen - Funktionenkapitel werden Sie, je nach Ihrem Lernstoff, nur Teile benötigen. Es hat ein zweifaches Ziel: Zuerst werden weitere allgemeine Konzepte zum Funktionsbegriff (soweit sie ohne Differentialrechnung auskommen) vorgestellt. Danach werden spezielle Funktionen, die zum Teil bereits in anderen Kapiteln eingeführt wurden, im Hinblick auf diese Konzepte untersucht. Das Kapitel hat stark lexikalischen Charakter - es soll Ihnen auch später zum Nachschlagen dienen, wenn Sie sich an allgemeine Begriffe oder Eigenschaften konkreter Funktionen erinnern wollen.

Stichworte:
Allgemeine Konzepte | Voraussetzungen | Symmetrie und Antisymmetrie (gerade und ungerade) | Periodizität | Stetigkeit | stückweise (abschnittsweise) stetig | Nullstellen, Ordnung einer Nullstelle | Singularitäten und Pole | Definitionslücken | Ordnung eines Pols | Asymptoten und asymptotisches Verhalten | Asymptoten einer rationalen Funktion bestimmen | Konvexitätsverhalten: konvex (nach oben offen), konkav (nach unten offen) | Beschränktheit: (obere, untere) Schranke | Funktionen kombinieren | Verkettung (o-Symbol) | Assoziativgesetz | Verschiebungen und Streckungen | inverse Funktion (Umkehrfunktion) | explizite und implizite Funktionsdarstellung | Funktionen ohne geschlossene Termdarstellung | Familien von Funktionen, Parameter | Kepler-Gleichung | algebraische und transzendente Funktionen | Potenzfunktionen | Wurzelfunktion | Polynome und rationale Funktionen | Exkurs: Polynome, ihre Nullstellen und Graphen | Checkliste f. d. Untersuchung einer rationalen Funktion | Winkelfunktionen und ihre Inversen | harmonische Schwingung (Amplitude, Frequenz, Phase) | Exponential- und Logarithmusfunktionen | Hyperbelfunktionen | Kettenlinie | Areafunktionen | Unstetige Funktionen | Theta-Funktion | Signum(Vorzeichen-)funktion | charakteristische Funktion | Treppenfunktionen (Rundungsverfahren: round, floor, ceil) | Funktionen auf anderen Mengen | Funktionen in mehreren Variablen | Funktionen auf diskreten Mengen | Permutationen | Funktionen auf Mengen von Funktionen | Verschiebungsoperator
 
                                                                                                                                                                                                                                               
    
Allgemeine Konzepte
        
    
 

Voraussetzungen und Vorbemerkungen


Im ersten Funktionenkapitel haben wir folgende Konzepte kennen gelernt: Wir setzen sie in diesem Kapitel als bekannt voraus. Wiederholen Sie bitte die entsprechenden Stellen bei Bedarf. (Ein erstes Betätigen eines der obigen Links öffnet ein neues Brwowserfenster mit dem ersten Funktionenkapitel. Wenn Sie es geöffnet lassen, wird es - ohne weitere Ladezeit - auch von späteren Aufrufen genutzt).
     
Kapitel Funktionen 1
Funktionen 1
 
    
 
 

 
 
Wir werden in diesem Kapitel hauptsächlich von reellen Funktionen sprechen, d.h. von Funktionen, die entweder für alle reellen Zahlen oder für eine Teilmenge von R definiert sind, d.h. Funktionen vom Typ  f : R ® R  oder  f : A ® R  mit A Í R. Weiter unten werden wir Beispiele von Funktionen besprechen, die auf anderen Mengen definiert sind.

Ein wichtiges Thema dieses Kapitels besteht darin, Eigenschaften von Funktionen mit Eigenschaften ihrer Graphen in Zusammenhang zu bringen. Einige Funktionsgraphen werden in Form vorbereiteter Grafiken gezeigt. Zögern Sie bitte nicht, den
zu verwenden, wann immer Sie darüber hinaus den Graphen einer (termdefinierten) Funktion betrachen wollen. (Falls es in Ihrem Browser Probleme mit dem Symbol ^ für die Eingabe von Potenzen gibt, so ersetzen Sie es durch das Wort hoch).

Die Festlegung einer Funktion f kann über die Zuordnungsvorschrift  f : x ® f (x) oder in Form der Funktionsgleichung  y  =  f (x)  geschehen. Die Bezeichnung der "unabhängigen" und der "abhängigen" Variablen mit den Buchstaben x und y ist nicht unbedingt notwendig, aber eine alte Tradition. Dementsprechend werden wir bei der Besprechung von Graphen die "horizontale Achse ("Abszisse") als x-Achse und die "vertikale" Achse ("Ordinate") als y-Achse bezeichnen.

Zuletzt noch ein Begriff, der im Folgenden öfters vorkommen wird: Eine rationale Funktion ist eine Funktion, die als Quotient zweier Polynome geschrieben werden kann. Rationale Funktionen sind einerseits überschaubar und relativ leicht zu studieren, andererseits vielfälig genug, um im Mathematikunterricht eine wichtige Rolle zu spielen.

Wenn Sie nur an einigen der im Folgenden besprochenen Konzepten interessiert sind, so überspringen Sie die anderen oder überfliegen Sie sie grob.

 
     





Kapitel Zahlen
reelle Zahlen
 
    
Symmetrie und Antisymmetrie


Wir nennen eine Funktion  f : R ® R  symmetrisch (manchmal auch gerade), wenn für alle x Î R

f (-x)   =   f (x)
(1)

gilt. Der Graph einer symmetrischen Funktion ist symmetrisch bezüglich der y-Achse (d.h. er geht unter einer Spiegelung an der y-Achse in sich selbst über). Weiters nennen wir eine Funktion  f : R ® R  antisymmetrisch (manchmal auch ungerade), wenn für alle x Î R

f (-x)   =  -f (x)
(2)

gilt. Der Graph einer antisymmetrischen Funktion ist symmetrisch bezüglich des Ursprungs (d.h. er geht unter einer Punktspiegelung am Ursprung, d.h. einer Drehung um 180°, in sich selbst über). Beide Konzepte übertragen sich zwanglos auf Funktionen, die nicht auf ganz R definiert sind: Es muss dann (1) bzw. (2) für alle x Î A gelten, wobei A der Definitionsbereich von f ist. Viele wichtige Funktionen fallen in eine der beiden Klassen:
     

für Graphen
 
    
  • Beispiele für symmetrische Funktionen: xn für gerades n (d.h. 1, x2, x4,...), x2-1, 1/x2, 1/x4, 1/(x2-1), (1-x2)1/2, cos x, sin2x, x sin x, cosh x (für letztere s.u.).
  • Beispiele für antisymmetrische Funktionen: xn für ungerades n (d.h. x, x3,...), x3-x, 1/x, 1/x3, x/(x2-1), x (1-x2)1/2, sin x, x cos x, tan x, cot x, sinh x, tanh x, coth x (für letzte drei s.u.), sgn x (s.u.).
Wie aus diesen Beispielen ersichtlich ist, ist die (Anti-)Symmetrie vieler elementarer Funktionen der schlichten Identität (-x)2 = x2 zu verdanken, die selbst wiederum Konsequenz von (-1)2 = 1 ist. Daher definiert ein Funktionsterm, in den die Variable x nur quadratisch (d.h. als x2) eingeht, immer eine symmetrische Funktion. Das Produkt zweier symmetrischer oder zweier antisymmetrischer Funktionen ist symmetrisch, das Produkt einer symmetrischen mit einer antisymmetrischen Funktion ist antisymmetrisch.

Symmetrieeigenschaften von Funktionen können ausgenutzt werden, um Berechnungen so kurz wie möglich zu halten: Ist eine Eigenschaft einer (anti)symmetrischen Funktion (z.B. der Verlauf ihres Graphen oder die Lage einer Nullstelle) im Bereich x ³ 0 bekannt, so ergibt sich die entsprechende Eigenschaft für den Bereich x < 0 ganz automatisch.

 
     

 
    
Periodizität


Wir nennen eine Funktion  f : R ® R  periodisch, wenn es eine positive Zahl p gibt, so dass für alle x Î R

f (x + p)   =   f (x)
(3)

gilt. p heißt dann Periode oder Periodenlänge. Mit wachsendem x "wiederholt sich" eine periodische Funktion immer wieder, denn die zweimalige Anwendung von (3) ergibt f (x + 2 p)  =  f (x + p)  =  f (x), und ganz allgemein gilt f (x + n p)  =  f (x) für jede natürliche Zahl. Mit p ist also auch jedes Vielfache n p eine Periode, und entsprechend weist der Graph einer periodischen Funktion ein immer wiederkehrendes Muster auf. Das Konzept überträgt sich zwanglos auf Funktionen, die nicht auf ganz R definiert sind: Es muss dann (1) für alle x Î A gelten, wobei A der Definitionsbereich von f ist.

Manche periodische Funktionen besitzen eine kleinste Periode. (Wir nennen p die kleinste Periode, wenn p Periode ist, aber jede Zahl q mit 0 < q < p keine Periode ist). Diese wird in der Regel angegeben, um periodische Funktionen zu charakterisieren (ohne dass der Zusatz "kleinste" immer erwähnt wird). Dass nicht jede periodische Funktion eine kleinste Periode hat, zeigt die nebenstehende Bemerkung.
 
     

für Graphen






hierzu
 
     Beispiele für periodische Funktionen:
 
Funktion Kleinste Periode
sin x, cos x 2p
tan x, cot x, sin2x, cos2x p
Sägezahnfunktion: Im Intervall -£ x £ 1 wird

f (x)  =  1 - |x|

definiert, außerhalb wird f periodisch fortgesetzt.
2

Wie das letzte Beispiel zeigt, ist es ganz leicht, durch periodische Fortsetzung viele weitere periodische Funktionen zu definieren.

Periodizitätseigenschaften von Funktionen können ausgenutzt werden, um Berechnungen so kurz wie möglich zu halten: Ist etwa von einer Funktion mit Periode p eine Eigenschaft (z.B. der Verlauf ihres Graphen oder die Lage einer Nullstelle) im Bereich 0 £ x < p bekannt, so ergibt sich die entsprechende Eigenschaft für alle anderen x ganz automatisch.

Periodische Funktionen werden benötigt, um Schwingungsvorgänge zu modellieren, wobei dann x für die Zeit steht und p als Periodendauer bezeichnet wird. Eine Methode, periodische Funktionen genauer zu analysieren (etwa um zu untersuchen, worin die Klangfarbe eines Musikinstruments physikalisch besteht), ist die Fourier-Analyse, die in einem späteren Kapitel besprochen wird.

 
     
Kapitel Fourierreihen (in Vorbereitung)
Fourier-Analyse
(in Vorbereitung)


 
 
    
Stetigkeit


Wir erwähnen diesen Begriff hier nur oberflächlich, da seinen tieferen Aspekten ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Eine in einem Intervall A definierte Funktion  f : A ® R  wird als stetig bezeichnet, wenn kleine Änderungen von x innerhalb von A kleine Änderungen von f (x) zur Folge haben. Der Graph einer stetigen Funktion ist eine zusammenhängende Kurve (die sozusagen mit dem Bleistift nachgezogen werden kann, ohne ihn abzusetzen). Der Begriff der Stetigkeit macht nur für Intervalle, in denen eine Funktion definiert ist, Sinn. Ist eine Funktion in mehreren Intervallen definiert (wie z.B. 1/x, was ja für x = 0 nicht existiert), so muss jeder dieser Bereiche (für 1/x sind das die beiden Intervalle x < 0 und x > 0) extra betrachtet werden. Eine unstetige Funktion ist dadurch charakterisiert, dass die Forderung nach einem zusammenhängenden Graphen im Definitionsbereich nicht erfüllt ist, dass also beispielsweise eine Sprungstelle existiert (an der die Funktion definiert ist, an der der Graph aber "auseinandergerissen" ist). Eine Funktion, die an voneinander isolierten Stellen unstetig, dazwischen aber stetig ist, heißt stückweise (oder abschnittsweise) stetig. Es gibt aber auch Funktionen, die auf ganz R definiert und an jeder Stelle unstetig sind.

Beispiele für (un)stetige Funktionen:
 
     




Kapitel Stetigkeit von Funktionen (in Vorbereitung)
Stetigkeit
(in Vorbereitung)

Kapitel Zahlen
Intervall

für Graphen
 
    
Die Funktion ist stetig... und...
x2 in ganz R  
|x| in ganz R  
1/x in den beiden Intervallen
x < 0 und x > 0
ist nicht definiert für x = 0
x/(x2-1) in den drei Intervallen
x < -1, -1 < x < 1 und x > 1
ist nicht definiert für x = -1 und x = 1
x1/2 im Intervall x ³ 0 ist nicht definiert für x < 0
f (x)  = {
0   für x < 2
1   für x ³ 2
in den beiden Intervallen
x < 2 und x > 2
ist unstetig bei x = 2
(Sprungstelle)
f (x)  = {
0   für x Î Q
1   für x Ï Q
Dabei ist Q die Menge der rationalen Zahlen.
nirgends ist für alle x Î R unstetig
     
Kapitel Zahlen
rationale Zahlen

 
 
    
Nur die beiden letzten Beispiele stellen unstetige Funktionen dar, die anderen sind (in ihren jeweiligen Definitionsbereichen) stetig.

Eine Funktion, die durch einen Term beschrieben wird, der sich durch die Grundrechnungsarten aus Potenzen, Winkelfunktionen und deren Inversen, Exponentialfunktionen und Logarithmen aufbauen lässt, ist in ihrem Definitionsbereich stetig. In diesem Sinn sind termdefinierte Funktionen immer stetig. Das trifft insbesondere auf die meisten in diesem Kapitel behandelten Funktionen zu. Weiter unten werden wir aber auch einige nützliche unstetige Funktionen kennen lernen.

 
     
 
 
    
Nullstellen


Nullstellen und ihre Beziehung zu Gleichungen haben wir bereits im ersten Funktionenkapitel kennen gelernt. Zu den einfachsten Funktionen, deren Nullstellen es sich zu untersuchen lohnt, gehören die Polynome, auf die wir weiter unten genauer eingehen. Polynome können in der Nähe von Nullstellen ganz verschiedenes Verhalten haben: x0 heißt Nullstelle n-ter Ordnung der Polynomfunktion f, wenn

f (x)   »   c(x - x0)n        für x » x0 .
(4)

Dabei ist n eine natürliche Zahl und c eine von Null verschiedene Konstante.
 
     




Kapitel Funktionen 1
Nullstellen
 
     Das Verhalten von f nahe x0 ähnelt dem der Potenzfunktion (des "Monoms") cxn nahe 0. Je größer die Ordnung n ist, umso schneller fällt der Funktionswert gegen Null, wenn sich x der Nullstelle nähert, und umso flacher ist der Graph in deren Nähe. Ist n gerade, so hat die Funktion auf beiden Seiten von x0 das gleiche Vorzeichen (wie es für die Funktion x2 der Fall ist). Ist n ungerade, so sind die Vorzeichen auf beiden Seiten von x0 verschieden (wie für die Funktion x), und der Graph "überquert" die x-Achse.

Wir werden weiter unten, wenn es um Polynome geht, zeigen, dass jede Nullstelle von dieser Art ist, d.h. eine wohldefinierte Ordnung hat.
 
     

für Nullstellen
verschiedener
Ordnung
 
     Der Begriff der Ordung einer Nullstelle kann auf eine größere Klasse von Funktionen ausgedehnt werden. So hat beispielsweise die Funktion f (x) = sin2(x) bei jedem ganzzahligen Vielfachen von p eine Nullstelle zweiter Ordnung. Allerdings gibt es auch Funktionen, deren Nullstellen nicht in dieses Schema passen (Beispiel: die Betragsfunktion f (x) = |x|).

 
     
Kapitel Potenzreihen (in Vorbereitung)
Ordnung von Nullstellen, allgemein
(in Vorbereitung)
 
    
Singularitäten und Pole


Ist eine reelle Funktion durch einen Term gegeben, so ist sie zunächst nicht unbedingt für alle x Î R wohldefiniert. Dabei können mehrere Dinge passieren.
  • Es kann geschehen, dass ein Term an einer bestimmten Stelle nicht wohldefiniert ist, aber durch eine nachträgliche Definition des fehlenden Funktionswerts zu einer stetigen Funktion gemacht werden kann. Wir sprechen dann von einer Definitionslücke, die "stetig geschlossen" werden kann, oder einer hebbaren Singularität. Ein Beispiel können Sie mit Hilfe des nebenstehenden Buttons aufrufen.
     
Beispiel einer
 
 
    
  • Es kann aber auch geschehen, dass ein Term eine Unendlichkeitsstelle (Singularität) besitzt. Das einfachste Beispiel ist 1/x. Hier gibt es nichts zu rütteln - je näher x der Zahl 0 kommt, umso größer ist der Betrag von 1/x. Die Stelle x = 0 gehört definitiv nicht zum Definitionsbereich (der also als A = R \ {0} angenommen werden kann).

    Das wirft die Frage auf, wie sich eine Funktion in der Nähe einer Unendlichkeitsstelle verhält (insbesondere "wie schnell" sie "gegen Unendlich geht"). Für rationale Funktionen, d.h. Quotienten zweier Polynome (siehe unten), lässt sich diese Frage systematisch beantworten. Ist x0 eine Unendlichkeitsstelle der rationalen Funktion f, so nimmt ihr Verhalten in der Nähe von x0 die Form
    f (x)   »   k
    (x - x0) n
           für x » x0
    (5)
    an, wobei n eine natürliche Zahl und k eine von Null verschiedene Konstante ist. x0 wird als Pol (Polstelle) n-ter Ordnung bezeichnet. Um eine Idee davon zu erhalten, warum das so ist, und um zu erfahren, wie man n und k für eine gegebene rationale Funktion ermittelt, klicken Sie auf den nebenstehenden Button.

    Das Verhalten nahe einer Polstelle wird also an den (relativ einfachen) Funktionen der Form 1/(x-x0) n gemessen. Je größer n ist, umso rasanter wächst der Betrag der Funktion an, wenn sich x der Polstelle x0 nähert. Ist n gerade, so hat die Funktion auf beiden Seiten der Polstelle das gleiche Vorzeichen (wie es für die Funktion 1/x2 der Fall ist), und der Graph zeigt zwei "Äste", die an der Polstelle entweder beide nach oben oder beide nach unten "bis ins Unendliche" reichen. Ist n ungerade, so sind die Vorzeichen auf beiden Seiten der Polstelle verschieden (wie für die Funktion 1/x), und der Graph sieht zerrissen aus: ein "Ast" steigt ins "positiv Unendliche" an, während der andere nach "negativ Unendlich" absinkt.

    Die Ordnung eines Pols kann mit der Ordnung einer Nullstelle in Zusammenhang gebracht werden: Je schneller f in der Nähe eines Pols ansteigt, um so schneller fällt 1/f dort gegen Null ab. Vergleichen wir (5) mit (4), so ergibt sich: f hat bei x0 einen Pol n-ter Ordnung, wenn 1/f dort eine Nullstelle n-ter Ordnung besitzt.
     




einer rationalen Funktion
 
    
    Der Begriff des Pols kann auf eine größere Klasse von Funktionen ausgedehnt werden. So hat beispielsweise die Tangensfunktion an der Stelle p/2 einen Pol erster Ordnung.
     
  • Es können auch ganz andere Dinge passieren, die sich allerdings nicht leicht in ein einheitliches Schema bringen lassen und am Besten dann analysiert werden, wenn sie auftreten.
    Ein Beispiel: 1/x + 1/|x|. Sehen Sie sich den Graphen an, indem Sie  1/x + 1/abs(x)  in den Funktions-Plotter eingeben, und versuchen Sie, ihn auf Grund des ihn definierenden Terms zu verstehen! (Tipp: Berechnen Sie den Funktionsterm separat für x < 0 und x > 0!)
    Ein anderes Beispiel: sin(1/x) - sehen Sie sich auch deren Graphen an!
 
     
Kapitel Potenzreihen (in Vorbereitung)
Pol, allgemein
(in Vorbereitung)
 
    
Asymptoten und asymptotisches Verhalten


Hat der Graph einer Funktion die Tendenz, einer Geraden immer näher zu kommen, so wird diese Asymptote genannt. Asymptoten treten auf,
  • wenn das Verhalten einer Funktion für große Werte von x (oder -x) dem einer linearen Funktion immer ähnlicher wird und
  • bei Unendlichkeitsstellen.
Im ersten Fall sprechen wir von der asymptotischen Annäherung einer Funktion (eines Graphen) an eine lineare Funktion (eine Gerade). Um die Idee auszudrücken, dass über das Verhalten einer Funktion für große, über jede Schranke wachsende Werte der unabhängigen Variable x gesprochen wird, werden Formulierungen wie
  • "für x ® ¥" (ausgesprochen "für x gegen Unendlich") oder
  • "für große x"
     

für Graphen

 
 
     verwendet. Soll speziell über ein Verhalten für unter jede Schranke fallende Werte von x (d.h. über jede Schranke wachsendes -x) gesprochen werden, so steht die Formulierung "für x ® -¥" (ausgesprochen "für x gegen minus Unendlich") zur Verfügung. Kommt es auf das Vorzeichen von x nicht an, so wird das manchmal in der Form "für große |x|" oder "für |x| ® ¥" ausgedrückt. Daneben gibt es noch die saloppe Formulierung "im Unendlichen" oder einfach das Wort "asymptotisch". Wie die dahinter stehenden Ideen exakter formuliert werden können, ist Gegenstand anderer Kapitel.
 
     
Kapitel Grenzprozesse (in Vorbereitung)
® ¥
(in Vorbereitung)

Kapitel Stetigkeit von Funktionen (in Vorbereitung)
asymptotisch
(in Vorbereitung)
 
     Achtung: Der Pfeil ® in einer Formulierung wie "für x ® ¥" hat mit dem Pfeil in den Zuordnungvorschriften für Funktionen nichts zu tun! Diese zwei Arten von Pfeilen sollten nicht miteinander verwechselt werden!

Beispiel: Wie verhält sich die durch f (x) = (2x2 - 3x + 4)/x definierte Funktion für große x? Wir formen um und schreiben den Funktionsterm als 2x - 3 + 4/x. Je größer x ist, umso kleiner ist der letzte Beitrag. Daher nähert sich f (x) für x ® ¥ den Werten der linearen Funktion g(x) = 2x - 3. Deren Graph ist eine Gerade und stellt eine Asymptote von f dar. Weiters hat f einen Pol bei x = 0. Da sich der Graph dort der y-Achse anschmiegt, ist diese ebenfalls eine Asymptote von f.

Um zu erfahren, wie man die Asymptoten einer gegebenen rationalen Funktion, d.h. eines Quotienten zweier Polynome (siehe unten) systematisch bestimmt, klicken Sie auf den nebenstehenden Button.

Nicht nur rationale Funktionen können Asymptoten haben. So ist beispielsweise die durch die Gleichung y = 2x definierte Gerade eine Asymptote der Funktion h(x) = 2x + e-x, da diese für x ® ¥ das Verhalten der linearen Funktion k(x) = 2x annimmt. Die Idee des "asymptotischen Verhaltens" lässt sich noch weiter verallgemeinern und verfeinern: So kann etwa davon gesprochen werden, dass (2 + e-x)/x2 für große x das gleiche asymptotische Verhalten wie 2/x2 hat, oder dass x2 + 1/x im Unendlichen das Verhalten von x2 annimmt. (Benutzen Sie den Funktions-Plotter, um sich die Graphen der hier genannten Beispiele anzusehen). Der Sinn solcher Aussagen ist es einerseits, das "globale" Verhalten von Funktionen in den Griff zu bekommen, und andererseits, einfache und bekannte Funktionen als Maßstab für das Verhalten komplizierterer Funktionen zu benutzen.

 
     




einer rationalen Funktion
Kapitel Analytische Geometrie 1 (in Vorbereitung)
Gleichung einer Geraden
(in Vorbereitung)
 
    
Konvexitätsverhalten


Ein bisschen salopp ausgedrückt, nennen wir eine Funktion  f : R ® R  konvex (oder "nach oben offen"), wenn jede Verbindungsstrecke zwischen zwei Punkten des Graphen von f an keiner Stelle "unterhalb" dieses Graphen liegt. Analog heißt eine Funktion  f : R ® R  konkav ("nach unten offen"), wenn jede Verbindungsstrecke zwischen zwei Punkten des Graphen von f an keiner Stelle "oberhalb" dieses Graphen liegt. Die Bezeichnungen "unterhalb" und "oberhalb" beziehen sich auf das Koordinatensystem, in dem der Graph einer Funktion betrachtet wird: ein Punkt liegt "oberhalb" eines anderen, wenn seine y-Koordinate größer ist. (Achtung: in der Literatur sind die beiden Begriffe manchmal in vertauschter Bedeutung zu finden!)

Eine Funktion ist konvex, wenn die zu ihr negative Funktion konkav ist (und umgekehrt).

Diese beiden Begriffe lassen sich auch auf Funktionen übertragen, die nicht auf ganz R, definiert sind, wobei sie allerdings nur einen Sinn machen, wenn sie auf ein Intervall (d.h. einen zusammenhängenden Bereich) bezogen werden. Eine Funktion kann in verschiedenen Intervallen ihres Definitionsbereichs verschiedenes Konvexitätsverhalten besitzen.

  • Beispiele für konvexe Funktionen: x2, x4, x3 im Bereich x ³ 0, 1/x im Bereich x > 0, ex, e-x, |x|.
  • Beispiele für konkave Funktionen: -x2, x1/2 (in seinem Definitionsbereich x ³ 0), x3 im Bereich x £ 0, 1/x im Bereich x < 0, ln x (in seinem Definitionsbereich x > 0).
 
     







für Graphen
 
    
Beschränktheit


Wir nennen eine Funktion  f : A ® R  nach oben beschränkt, wenn es eine Zahl c mit der Eigenschaft

f (x)  £  c       für alle x Î A
(6)

gibt. c heißt dann obere Schranke. Analog heißt f nach unten beschränkt, wenn es eine Zahl k mit der Eigenschaft

f (x)  ³  k       für alle x Î A
(7)

gibt. k heißt dann untere Schranke. Eine Funktion, die nach oben und nach unten beschränkt ist, wird ohne weitere Angabe als beschränkt bezeichnet. Der Graph einer nach oben (unten) beschränkten Funktion liegt immer unterhalb (oberhalb) einer zur x-Achse parallelen Geraden. Einige Beispiele:
     









für Graphen
 
    
  • Nach oben beschränkt: -x2, 1 - x4.
  • Nach unten beschränkt: x2, x4 - 3, ex, |x|.
  • Nach oben und unten beschränkt: 1/(x2 + 1), sin x, cos x.
Wir werden diesen Begriff in einem späteren Kapitel wieder aufnehmen und beispielsweise fragen, wann es eine kleinste obere und eine größte untere Schranke gibt.

 
     
Kapitel Stetigkeit von Funktionen (in Vorbereitung)
mehr zur
Beschränktheit

(in Vorbereitung)
 
 
    
Funktionen kombinieren


Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Funktionen miteinander zu kombinieren:
  • Summe, Differenz, Produkt, Quotient: Was bedeutet es eigentlich, "zwei Funktionen zu addieren"? Ist A Í R und sind  f : A ® R  und  g : A ® R  zwei reelle Funktionen mit (dem selben) Definitionsbereich A, so kann aus ihnen eine dritte Funktion  f + g : A ® R  (ebenfalls mit Definitionsbereich A) durch

    (f + g) (x)   =  f (x) + g (x)       für alle x Î A
    (8)

    definiert werden. Man sagt, dass die Summe zweier Funktionen punktweise (d.h. für jeden "Punkt" x als Summe der Funktionswerte von f und g) definiert ist. In völlig analoger Weise kann die Differenz und das Produkt zweier Funktionen definiert werden. Auf diese Weise wird die Menge aller Funktionen A ® R mit den "Rechenoperationen" Plus, Minus und Mal ausgestattet. Daher kann etwa auch das Quadrat f 2 einer Funktion f gebildet werden. (In diesem Sinn ist ja auch üblich, sin2x für (sin x)2 zu schreiben). Beim Quotienten müssen wir ein bisschen aufpassen, da wir ja nicht durch Null dividieren dürfen. Er kann punktweise als Funktion  f/g : B ® R  definiert werden, wobei B = { x Î A | g(x) ¹ 0 } ist.
     
  • Verkettung (Hintereinander-Ausführen): Welche Struktur hat die durch den Term sin(x2) definierte Funktion? Sie wird auf ein x angewandt, indem zuerst auf x die Funktion "Quadrieren" und danach auf das Resultat (also x2) die Funktion "Sinus" angewandt wird. Analoges lässt sich auch mit anderen Funktionen machen: Wird erst die Funktion g auf x angewandt und danach auf das Resultat die Funktion f, so erhalten wir f (g(x)). Die Funktion, die diese beiden Schritte kombiniert, heißt Verkettung (manchmal auch Verknüpfung) von f und g und wird mit f o g bezeichnet:

    (f o g) (x)   =   f (g(x)) .
    (9)

    Dabei muss der Wertebereich von g eine Teilmenge des Definitionsbereichs von f sein, da es ansonsten ein x gibt, für das zwar g(x), nicht aber f (g(x)) nicht definiert ist.

    Innerhalb der Menge aller Funktionen R ® R darf beliebig verkettet werden. Die Verkettung ist eine "Operation", die, ähnlich wie die Multiplikation, aus zwei Funktionen eine dritte macht, und wie die Multiplikation erfüllt sie das so genannte "Assoziativgesetz"

    f o (g o h)   =   (f o g) o h .
    (10)

    Allerdings kommt es bei ihr auf die Reihenfolge an. f o g ist nicht dasselbe wie g o f. (Beispiel: sin2(x) ist nicht dasselbe wie sin(x2)). In der mathematischen Fachsprache heißt das: Die Verkettung ist nicht "kommutativ". Die Reihenfolge, in der die beiden Funktionen angewandt werden, läuft übrigens ein bisschen gegen unsere Intuition: Trotz der Bezeichnung "f o g" wird zuerst g und danach f angewandt. (Die Gefahr, die Reihenfolge zu verwechseln, rührt daher, dass in der üblichen Schreibweise "f (x)" das Funktionssymbol f links von x steht, in diesem Sinn also Funktionen "von links" wirken). Stellen wir die Wirkung einer Funktion f auf ein Element x in der Form

    x
    f
      –—–®  
    f (x)
    (11)

    dar, so kommt die Verkettung f o g so zustande:

    x
    g
      –—–®  
    g (x)
    f
      –—–®  
    f (g(x)) .
    (12)

    In formaler Hinsicht lassen sich "Potenzen" von Verkettungen wie f o f definieren. Letzteres darf aber nicht mit dem punktweise definierten Quadrat einer Funktion verwechselt werden: Ist etwa f die Sinusfunktion, so ist (f o f )(x) = sin(sin(x)), während f 2(x) = sin2x ist.
     
Kapitel Variable, Terme, Formeln und Identitäten
kommutativ















 
 
    
    Das alles ist wichtig, weil sich Funktionen, die durch längere Terme dargestellt werden, als Verkettungen einfacherer Funktionen auffassen lassen. Manche mathematischen Eigenschaften von Funktionen lassen sich auf entsprechende Eigenschaften der Bestandteile zurückführen, wodurch sich oft umständliche Rechnungen vermeiden lassen. (Ein berühmtes Beispiel ist die in der Differentialrechnung auftretende "Kettenregel").
     
  • Verschiebungen und Streckungen: Nehmen Sie an, Sie haben die Eigenschaften einer Funktion f anhand ihres Graphen studiert und kennen sie jetzt recht gut. Dann bekommen Sie eine andere Funktion g vorgesetzt, die durch g(x)  =  f (x - 2) definiert ist (also der Verkettung von f mit der linearen Funktion h(x)  =  x - 2). Können Sie auf Anhieb sagen, wie der Graph von g aussieht? Die Antwort ist: Der Graph von g geht aus dem Graphen von f hervor, indem er um 2 nach "rechts" (in x-Richtung) verschoben wird.

    Wir fassen hier einige derartige Situationen zusammen:
     
    Der Graph der Funktion geht aus jenem von f hervor durch
    g(x)  =  f (x) + c Verschiebung um c in y-Richtung.
    g(x)  =  f (x - c) Verschiebung um c in x-Richtung.
    g